Wenn ich es mir recht überlege, hätte es kaum passender kommen können – in Zeiten der Pandemie einen neuen Roman von Miljenko Jergović übersetzen, dessen Dramatik sich aus einer Seuche entwickelt. 2019 erschien Herkul im Original, geschrieben wurde das Buch natürlich vor sämtlichen Lockdowns.

Jergović gibt auch nicht den Propheten, sondern entwickelt eine Welt in naher Zukunft, vollgepackt mit dem, was ihn im heutigen Kroatien und an den europäischen Nachbarn ärgert und ängstigt, und würzt seine schonungslose Analyse mit einer ordentlichen Prise Sarkasmus. Nukleus der Handlung ist eine aus Gier, Fahrlässigkeit und Stümperei verschuldete, sozusagen hausgemachte, lokal begrenzte Choleraepidemie, die durch die unbegrenzte Macht der über elektronische Medien verbreiteten Fake News in landesweiten Pogromen gegen Serben endet.

Allerdings könnte kaum etwas unpassender sein, als den Roman so brachial auf den Kern herunterzubrechen. Es nimmt zuviel vorweg, nimmt vor allem dem Anfang des Buches die enorme Rätselhaftigkeit. Jergovićs Herangehensweise belässt die Leserschaft mit einer eigentümlichen Mischung aus Verraten und Verschweigen und der subjektiven Perspektive der ProtagonistInnen im Ungewissen über die Vorgänge, versorgt sie einerseits mit genug Stoff, um Assoziationen und Vermutungen ins Kraut schießen zu lassen, und verbittet sich andererseits, teils expressis verbis, jede Zuständigkeit für die Wahrheit.

Was aber auch wieder bedeutet, dass Form und Inhalt eine Einheit bilden. Bei aller Fabulierlust: Das ist wie im richtigen Leben. Die Übersetzung ist fertig, das Buch erscheint bei Schöffling & Co.

Und bis dahin ist dieser Eintrag längst in den Fluten des Web untergegangen, also kann ich ihn beruhigt online stellen…

Wie ich auf den Beitragstitel komme? Der Titelheld ist nach Herakles benannt, dem Sohn von Zeus und Alkmene. Und das mit der Dämmerung können Sie sich aus dem bisher Gesagten sicher selbst erschließen.

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